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Pressestimmen

Das Kreuz mit der Demenz tragen
Gemeinsames Projekt der St. Mariengemeinde und dem Verein "Leben mit Demenz"
VON ULRIKE MISSBACH, Mindener Tageblatt, 20.9.2010


Minden (mt). Irgendwann werden die Künstler leider vergessen, dass sie eine Kreuzblume für die St. Marienkirche geschaffen haben, doch die Erinnerung daran wird in der Gemeinde ewig währen.

Bildhauermeister Peter Paul Medzech mit dem Modell der Kreuzblume für die Marienkirche. | MT-Foto: Manfred Otto

Unter dem Motto "Erinnern - Vergessen" startet die evangelisch-lutherische St. Mariengemeinde anlässlich des Weltalzheimertags am heutigen 21. September ein ungewöhnliches Projekt. In Zusammenarbeit mit der Alzheimergesellschaft "Leben mit Demenz" führt sie ab Oktober Bildhauer-Workshops durch, in denen Menschen mit Demenz sechs Kreuzblumen für die Giebel der Kirche fertigen. Die Leitung des Workshops übernimmt der Mindener freischaffende Künstler und Bildhauermeister Peter Paul Medzech.

Seit drei Jahren bemüht sich die Mariengemeinde, Schritt für Schritt die dringend erforderliche, rund 600 000 Euro teure Sanierung der sechs Giebel ihrer Kirche zu ermöglichen. Die sechs Kreuzblumen, die vermutlich bis Anfang der 50er Jahre die Giebel geschmückt hatten, waren dabei aus Kostengründen zunächst aus der Planung gestrichen worden.

Die Idee, die Kreuzblumen schließlich doch wieder herzustellen, kam im vergangenen während einer Begegnung mit Bildhauer Peter Paul Medzech und Hartmut Schilling von Verein "Leben mit Demenz". Bei einer Ausstellung in der St. Marienkirche hatten Menschen mit Demenzerkrankungen Steinkunstarbeiten aus einem Workshop mit Medzech gezeigt. Die Präsentation war ein voller Erfolg. "Die Fähigkeit von Menschen mit Demenz, sich gestalterisch auszudrücken beziehungsweise mitteilen zu können, hat uns tief beeindruckt", erklärt Pfarrer Rainer Hiller.

In verschiedenen Gesprächen wurde schließlich die Idee geboren, dass Peter Medzech zusammen mit einigen Demenzkranken die Kreuzblumen errichten könnte und das Projekt "Sechs Kreuzblumen für St. Marien" war geboren.

"Das Kreuz ist ein öffentliches Symbol", meint Pfarrer Frieder Küppers, "durch die Arbeit an den Kreuzblumen wollen wir Demenz zu einem öffentlichen Thema machen, und zeigen, dass durch schöpferische Tätigkeit aus Kreuz-Situationen Neues entstehen kann." Das Projekt helfe zudem Betroffenen und deren Angehörigen, das "Kreuz der Demenz" zu ertragen, erklärt Hartmut Schilling, der bei der Alzheimergesellschaft für die Frühdemenz-Projekte verantwortlich ist. An Demenz Erkrankte litten persönlich unter der Veränderung ihrer geistigen und praktischen Leistungsfähigkeit.
Kreuzblumen stellen Schöpfungstage dar

Da niemand weiß, wie die ehemaligen Kreuzblumen auf der St. Marienkirche ausgesehen haben, entwickelte Bildhauer Medzech ein Modell, das sowohl beim Bauverein, beim Presbyterium als auch bei der Unteren Denkmalbehörde Zustimmung fand.

Dabei wird jede Kreuzblume ein wenig anders aussehen. "Gott schuf die Welt in sechs Tagen. Zur Erinnerung sollen alle sechs Kreuzblumen je einen der Schöpfungstage - Licht, Festland, Pflanzen, Gestirne, Tiere und Menschen - darstellen", erklärt Pfarrer Hiller. "Sie alle führen zum siebten Tag, dargestellt im Chorkreuz", ergänzt Pfarrer Küppers.

Rund 30 000 Euro kostet das Kreuzblumen-Projekt. 8 500 Euro sind bereits durch Spenden zusammengekommen. Weitere 20 000 Euro werden noch benötigt, um die Kosten zu decken. Für das Projekt "Sechs Kreuzblumen für St. Marien" ist ein Spendenkonto eingerichtet worden bei der Deutschen Bank, Kontonummer: 288 860 001, Bankleitzahl: 490 700 23, Stichwort "Kreuzblumen".



"Geschichte ist ein Wechselbad der Gefühle"
Hollywood und die zehn Gebote
VON ULRIKE MISSBACH, Mindener Tageblatt, 18.9.2010


Minden (mt). Sie sind die Grundlage unserer Kultur und haben das Rechtsverständnis des Abendlandes maßgeblich geprägt: die zehn Gebote.

Kantor der Marienkirche Andreas Mitschke, Veranstaltungskaufmann Marcel Volkmann, Pfarrer Frieder Küppers sowie Musikproduzent Dieter Falk bereiten das Pop-Oratorium "Die 10 Gebote" in Minden vor.

Liedertexter Michael Kunze und Musikproduzent Dieter Falk haben diese zentrale biblische Geschichte in eine zeitgemäße Form gebracht und zu einem Pop-Oratorium zusammengefügt. Nach der Welturaufführung im Januar in Dortmund wollen die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde St. Marien und das Projektteam Amigo (A Minden Gospel Festival) die Veranstaltung am 6. März 2011 nun nach Minden holen. Unterstützt wird das Team von der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, der Volksbank Minden und dem Mindener Tageblatt, das die Veranstaltung präsentiert.

"Nicht zuletzt wegen meiner Kindheitserinnerungen an den legendären Hollywoodfilm - mit Charlton Heston als Moses und Yul Brunner als Pharao - waren die zehn Gebote bei mir immer ein großes Thema", erklärt Dieter Falk während einer Pressekonferenz in Minden. Der Auszug des Volkes Israel aus Ägypten zeige, dass Gott gerade auf krummen Linien schreiben könne, so der Musikproduzent. Mose sei schwach und exzentrisch gewesen. Dennoch habe Gott ihn auserwählt, um das Volk Israel zu retten, so Falk.

Die Geschichte sei ein Wechselbad der Gefühle. Sie reiche vom Auszug des Volkes Israel aus Ägypten durch das geteilte Rote Meer, dem Empfang der zehn Gebote am Berg Sinai bis hin zum Tanz um das Goldene Kalb, so der Produzent, der jedoch Wert darauf legt, dass es sich bei der Veranstaltung nicht um eine rein religiöse Präsentation handelt. "Wir wollen vielmehr Entertainment - unsere Aufführung richtet sich an die ganze Familie", unterstreicht er.
750 Sänger sind schon angemeldet

Neben einer Rockband, einem Sinfonieorchester sowie namhaften Solisten sollen heimische Sängerinnen und Sänger in einem großen Festivalchor an der Aufführung mitwirken. 750 Sängerinnen und Sänger haben sich bereits angemeldet. "Da das Interesse so groß ist, haben wir uns entschieden, zwei Chöre in der Kampa-Halle auftreten zu lassen", erläutert Veranstaltungskaufmann Marcel Volkmann. Ein Chor werde während der Nachmittagsvorführung singen, der andere während der Abendvorstellung. Auf diese Weise könnten bis zu 1000 Personen an dem Projekt teilnehmen, so Marcel Volkmann.

Dirigiert werden die Chöre bei den Auftritten von dem Orchesterchef Heribert Feckler und dem neuen Kantor der St. Marienkirche, Andreas Mitschke. Anmeldungen und weitere Auskünfte für Sängerinnen und Sänger (Chöre oder Einzelsänger) werden unter Telefon (05 71) 9 42 41 11 oder unter anmeldungen@gospel-minden.de entgegen genommen.

"Das Pop-Oratorium besteht aus 19 Liedern. Die Stücke sind so angelegt, dass Laien die Lieder leicht erlernen können", erklärt Dieter Falk. Der Schwerpunkt liege auf Popmusik und Gospel.
Monrose-Sängerin spielt Moses' Frau

Die Hauptrolle (Moses) spielt der Musicaldarsteller Michael Eisenburger. Ihm zur Seite steht Bahar Kizil, Sängerin der Gruppe "Monrose". Sie spielt Zipporah, die Frau von Moses. "Bahar ist Muslimin und unterstreicht damit den ökumenischen Ansatz, den wir haben", betont Musikproduzent Dieter Falk. Weitere Mitwirkende sind Falks Söhne Paul (Erzähler) und Max (Percussion). Der Schauspieler Otto Sander spricht im Pop-Oratorium die Stimme Gottes.

Karten für die Aufführung am Sonntag, 6. März, 19 Uhr, gibt es ab sofort bei "Express - Reisen / Tickets / Zeitschriften", Obermarktstraße 28-30, Telefon (05 71) 8 82 77.




Von der Faszination Taizés
Pastor Hiller informiert über Bruderschaft
Mindener Tageblatt, 18.9.2010


Minden (mt). Unter dem Thema "Licht der Hoffnung; die ökumenische Bruderschaft von Taizé (Frankreich)" stellt Pastor Rainer Hiller am Mittwoch, 22. September, 19.30 Uhr, im Haus am Dom in Minden, die Ökumenische Bruderschaft von Taizé vor. Er informiert über die Persönlichkeit ihres Gründers und langjährigen Leiters, Frère Roger, der als Vorkämpfer der Ökumene gilt und verehrt wird, und über die Spiritualität der Gemeinschaft, die geprägt ist von ökumenischem Geist und dem Streben, die von Jesus gewollte Einheit der Christen soweit möglich schon jetzt zu leben. Er geht der Frage nach, warum jährlich Zehntausende, insbesondere Jugendliche, Taizé besuchen. Rainer Hiller, Pastor an der Marienkirche in Minden, ist Mitbegründer des seit 15 Jahren bestehenden ökumenischen Taizékreises, der für die seit 1996 regelmäßig stattfindenden ökumenischen Taizégebete verantwortlich ist. Der Vortrag wird vom Katholischen Bildungswerk in Kooperation mit dem Evangelischen Erwachsenenbildungswerk veranstaltet. Eintritt ist frei.



Eindrucksvoll getanzte Hommage an das Leben
Drittes Mindener "Community Dance"-Projekt erlebt mit Verdi Requiem eine Uraufführung / Zermeño erarbeitet mit Schülern eindringliche Bilder
VON URSULA KOCH, Mindener Tageblatt, 13.9.2010


Minden (mt). Was vor zwei Jahren mit "Carmina Burana" begann, ist mit dem getanzten Verdi-Requiem in diesem Jahr auf eine neue Ebene gehoben worden. Für die Premiere des mittlerweile dritten Mindener "Community Dance"-Projektes, das am Samstag in der Kampa-Halle Premiere feierte, gab es vom Publikum kräftigen Beifall.

Die Premiere war zugleich eine Uraufführung, denn während der Choreograf Miguel Angel Zermeño "Carmina Burana" schon einmal mit Schülern in Bonn auf die Bühne gebracht hatte, hat er für die das Requiem zum ersten Mal eine neue Choreografie ersonnen. Hauptakteure sind auch dieses Mal wieder rund 170 Schüler der weiterführenden Schulen - die Hauptschulen Minden-Süd und Todtenhausen, Herder-Gymnasium, Käthe-Kollwitz-Realschule, Kuhlenkampschule, Kurt-Tucholsky-Gesamtschule, Ratsgymnasium, Freiherr-von-Vincke-Realschule, Waldorfschule und Wichernschule. Ihnen gebührt großes Lob, denn sie sind allesamt sehr engagiert und konzentriert bei der Sache und präsentieren sich auf der Bühne sicher, anmutig und selbstbewusst.

Musikalisch wird der Tanz wieder von einem großen Ochester, dem Jungen Philharmonischen Orchester Niedersachsen, vier Chören der Mariengemeinde (Kantorei, Kammerchor, Jugendkantorei und Singschule) sowie vier Solisten unterstützt, die unter der Leitung des scheidenden Marienkantors Manuel Doormann dafür sorgen, dass diese Aufführung optisch und akustisch ein Genuss ist. Als zweites "Community Dance"-Projekt, das wie alle anderen auch vom Kulturbüro der Stadt koordiniert wird, war im vergangenen Jahr "Schritt für Schritt" insofern kleiner ausgefallen, als auf Live-Musik verzichtet wurde.

Dass auch eine Totenmesse getanzt werden kann, ohne kitschig zu wirken, hat Zermeño mit Unterstützung seiner Assistentinnen Friederike Rademann, die auch als Solistin auftritt, und der Tanzpädagogin Petra Nottmeier eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Hier wird kein klassisches Ballett geboten, sondern werden Emotionen als getanzte Bilder ausgedrückt.

Für das Totengedenken wählt der gebürtige Mexikaner einen Brauch aus Asien, Bitten für verstorbene Angehörige an einen Baum zu hängen. Schemenhaft tauchen die Verstorbenen hinter einem transparenten Vorhang hinter dem Orchester auf. Die Tänzer säen und ernten, Mensch und Natur leben im Einklang, bis Störenfriede auftauchen und ein Kampf zwischen Gut und Böse (symbolisiert durch rote und weiße Kostüme) entbrennt. Am Ende vereint die Solotänzerin die Gegner, führt sie zu Harmonie.

Dazwischen zitiert Zermeño Bestattungsrituale aus verschiedenen Kulturen, wie Ägypten, Indien, Mexiko und auch Europa. Diese Elemente sind gesetzt, weil Zermeño das Requiem nicht allein auf die christliche Tradition begrenzen will. Auch menschliches Leid macht er zum Thema, in Gestalt eines Flüchtlingstrecks. An dieser Stelle ist auch eine musikalische Zäsur eingeschoben. Die Musik Verdis wird unterbrochen durch einen perkussiven Teil im Rhythmus des menschlichen Herzschlags. Ein Mensch stirbt, ein anderer wird geboren - der ewige Kreislauf des Lebens.

Die getanzten Bilder werden durch das Bühnenbild von Frank Chamier sinnvoll ergänzt. Im Rücken von Chor und Orchester ist die zweite Tribüne durch Stoffbahnen verhängt, im Wechsel aus goldenem und transparentem Stoff, sodass der Eindruck einer Säulenhalle entsteht. Rechts hinter der Tanzfläche befindet sich ein Tunnel - die Verbindung von Diesseits und Jenseits. Hoch über den Köpfen der Musiker hängt eine Leinwand, auf die Bilder und Videos projiziert werden und vor der sich noch eine zweite, kleine Bühnenebene befindet. Das Technikteam hat da ein wenig "gezaubert", um möglichst viele Elemente des Entwurfs umzusetzen.

Eine "Hommage an das Leben" hat der Choreograf das Werk untertitelt. Dass diese Aufführung so lebendig gerät ist der guten Zusammenarbeit aller Beteiligten auf und hinter der Bühne zu verdanken.



Der Weg zum Requiem führt über das Leben"
MT-Interview mit Pfarrer Frieder Küppers: Die Bedeutung eines Requiems / Wie gehen Kinder mit dem Thema Tod um?

Mindener Tageblatt, 10.09.2010


Minden (mt). Frieder Küppers, Pfarrer an der Marienkirche, hat vor der Premiere des Community Dance Projekts Verdi Requiem in mehreren Schulen Unterrichtseinheiten durchgeführt. Mit MT-Mitarbeiter Jan Henning Rogge sprach er über Form und Inhalt dieser speziellen Form der Totenmesse.

Requiem - was ist das eigentlich?

"Ein Requiem ist ein Totengedenken, das schon relativ früh gefeiert wurde, meistens an den Begräbnisstätten. In den meisten Fällen als Messe mit Abendmahl. Ich vermute, in diesen Messen ging es darum, deutlich zu machen, dass die, die gestorben sind, nicht verschwunden, sondern vorausgegangen sind. Erst im Mittelalter kam der Gerichtsgedanke dazu, das war vorher nicht so."

Warum spielt dann plötzlich das Jüngste Gericht eine Rolle?

"Das Christentum war zu einer Großreligion geworden. Vermutlich verfolgte die Hervorhebung des Gerichtsgedankens erzieherische Ziele. Zum Teil steckte hinter den Gerichtspredigten - das sieht man besonders bei den Ablasspredigern dieser Zeit - die Absicht des Machterhaltes der Kirche. Menschen, die im Mittelalter um ihr Seelenheil besorgt waren, konnten mit der Drohung des Jüngsten Gerichtes diszipliniert werden."

Ein Requiem besteht aus mehreren Teilen - welche Bedeutung haben sie?

"Das sind die ursprünglichen Bestandteile der alten Messe. Zu Beginn steht die Bitte nach Ruhe, das ewige Licht möge leuchten. Das "Kyrie eleison" ist in jeder gewöhnlichen Messe der Beginn. Das darauf folgende "Gloria" tritt im Requiem etwas zurück, weil das Thema einer Totenmesse eine nach außen gekehrte Freude nicht gerade nahe legt. Es folgt "Dies Irae", die Schilderung des erwarteten Gerichtes am Jüngsten Tag. Dieser Teil ist in den Ablauf einer gewöhnlichen Messe eingefügt. Nach dem Dies Irae kommt der letzte Teil: Die Eucharistie (Abendmahl) beginnt mit dem Offertorium, der Bereitung der Abendmahlgaben, dann folgt das Sanctus - heilig, heilig, heilig ist Gott - und das Agnus Dei, Christe, du Lamm Gottes. Anders, als bei einer gewöhnlichen Abendmahlsfeier, die mit der Bitte um Frieden endet, steht im Requiem die Bitte um ewige Ruhe am Ende dieses Teils. Es folgt die Bitte um das Ewiges Licht (lux aeterna) für die Verstorbenen. Das Libera Me (Befreie mich) bildet den Schluss. Und hier am Ende des Requiems geschieht etwas eigenartiges. Während vorher der Chor für die Verstorbenen gesungen hat, singt er hier für sich selbst. Das bedeutet: Ein Requiem ist eine Art Lebenshilfe, weil es die Lebenden befreien soll von den unterschiedlichen Ängsten, die der Gedanke an die Vergänglichkeit hervorbringt."

Was interessiert Kinder an dieser Totenmesse?

"Für die meisten Kinder ist klar: Nach dem Leben kommt noch etwas. Für die meisten Kinder ist es auch selbstverständlich, an Verstorbene zu denken und den Kontakt zu ihnen durch Bilder, Geschichten oder besondere Gegenstände zu pflegen. Aber: In unserer Kultur wird darüber nicht oder nur wenig öffentlich gesprochen. Zum Teil liegt es vielleicht daran, dass Tod und Sterben aus der Mitte unserer Gesellschaft an den Rand gedrängt wurden. 80 Prozent der Menschen sterben in Heimen und Krankenhäusern. Aus den Augen aus dem Sinn. Doch wenn Kinder darauf angesprochen werden, haben sie fast alle zu diesem Thema etwas zu sagen. Zum Beispiel zum "dona eis requiem" (Schenke ihnen Ruhe) im Agnus Dei: Das war für sie interessant, dass "Requiem" eigentlich eine erdumfassende Ruhe ist, in der es keinen Hass, keine Schmerzen, keine Angst gibt, in der jeder das bekommt, was er braucht."

Welchen Stellenwert hat ein Requiem heute?

"In der Katholischen Kirche gehört das Requiem zum üblichen Totengedenken. In der evangelischen Kirche kommt ein Requiem in der alten Mess-Form vielleicht noch im kirchenmusikalischen Programm vor, das heiß es wird als Chor- und Orchesterkonzert aufgeführt. Dabei geht etwas verloren. Denn auf der einen Seite steht der Chor und ein Orchester, auf der anderen Seite das Publikum. Die einen singen oder spielen, die anderen hören zu. Dass die Feier des Totengedenkens ursprünglich alle Anwesenden zum Teil des Geschehens werden lässt, gerät leicht in Vergessenheit."

Kann Musik den Menschen das Thema Tod näherbringen?

"Davon bin ich überzeugt. Diese Form des Totengedenkens kann wirklich Lebenskraft geben. Bei Verdi habe ich da keinen Zweifel. Der Weg zum Requiem führt über das Leben. Wer wird denn glücklich, wenn er eine Milliarde auf dem Konto hat? Was bleibt einem solchen Menschen, wenn er stirbt? Von seinem Reichtum wird er nichts mitnehmen können. Im Blick auf das, was nach dem Tod kommt, gibt es mehr Hoffnung als der Reichtum. Und genau das vermittelt mir die Musik von Verdi."









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